Stichtage, Behörden, Bußgelder: Der EU AI Act nimmt Fahrt auf — was jetzt zählt
Der EU AI Act ist längst kein Zukunftsprojekt mehr. Seit dem 2. Februar 2025 gelten die Verbote für unzulässige KI-Praktiken — von Social Scoring bis zur Emotionserkennung am Arbeitsplatz. Seit dem 2. August 2025 sind die GPAI-Regeln für große Sprachmodelle wie ChatGPT, Claude oder Gemini verbindlich. Sanktionen sind möglich, Aufsichtsbehörden nehmen ihre Arbeit auf, und der nächste große Stichtag — August 2026 — rückt näher. Gleichzeitig verhandeln EU-Parlament und Rat im Trilog über den Digital Omnibus on AI, der zentrale Hochrisiko-Fristen auf Dezember 2027 verschieben soll. Ob diese Verschiebung rechtzeitig vor dem 2. August 2026 in Kraft tritt, ist noch offen.
In Deutschland hat das Bundeskabinett am 11. Februar 2026 das KI-Marktüberwachungs- und Innovationsförderungsgesetz (KI-MIG) beschlossen und damit die nationale Umsetzung auf den Weg gebracht. Die Bundesnetzagentur wird zentrale Anlaufstelle — mit einem KI Service Desk, der seit Juli 2025 kostenlose Beratung für KMU bietet. Deutschland hatte die EU-Frist zur Behördenbenennung (August 2025) wegen der Regierungsneubildung verpasst; das Aufholen läuft, aber das Gesetz muss noch durch Bundestag und Bundesrat. Für den Vollzug heißt das: faktische Übergangszeit, aber kein rechtsfreier Raum — bestehende Verbote und die KI-Kompetenzpflicht nach Art. 4 gelten bereits.
Für Trainer, Berater und Coaches ergibt sich ein differenziertes Bild. Wer KI-Tools wie ChatGPT, Copilot oder Claude für Texterstellung, Recherche oder Seminarunterlagen nutzt, operiert in der Regel im Bereich minimalen oder begrenzten Risikos — mit überschaubaren Pflichten. Kritisch wird es, wenn KI im HR-Prozess, in der Personalauswahl oder in assessmentgestützten Lernprogrammen eingesetzt wird: Das sind Hochrisiko-Gebiete mit strengen Anforderungen. Und eine Pflicht gilt schon heute für alle: Wer KI einsetzt, muss sicherstellen, dass sein Personal über nachweisbare KI-Kompetenz verfügt (Art. 4). Das ist nicht nur eine Compliance-Aufgabe — es ist auch ein Geschäftsfeld. Unternehmen suchen externe Trainer und Coaches, die genau diese Kompetenzlücke schließen.
Das Dilemma des AI Act liegt im Timing: Wer jetzt auf die Verschiebung durch den Digital Omnibus wartet, riskiert im schlimmsten Fall, im August 2026 unvorbereitet zu sein. Wer hingegen vorsorgt — KI-Inventar erstellt, Risikoklassen prüft, Schulungen dokumentiert und Transparenzhinweise einführt — hat in jedem Szenario gewonnen. Das Muster der DSGVO, erst zuzuwarten und dann in Panik zu geraten, sollte sich nicht wiederholen. Dieses Special gibt Trainer, Beratern und Coaches den aktuellen Stand — als Grundlage für die eigene Praxis und für die Beratung ihrer Kunden.


