Michaele Kundermann Porträt 2018 klein

Die Kunst der Selbstberuhigung

Wie Weiterbildner besser mit Stress umgehen können

Michaele Kundermann

Selbstständiger Trainer oder Coach zu sein, hat große Vorteile. Keine festen Zeiten, hohe Gestaltungsfreiheit. Was nach gelebter Freiheit klingt, setzt auch unter Druck. Die Folge: Viele Weiterbildner arbeiten mehr und mehr, um ihre Marktposition auszubauen. Immer präsent und schneller sein als andere. Der Stresspegel steigt. Wer sein Berufsmodell genießen will, muss wissen, wie er den Druck aus dem Kessel nimmt. Hier helfen emotionale Stresskompetenz und die Kunst der Selbstberuhigung.

Die typischen Tücken im Leben eines Beraters: Das Auto streikt, der Beamer beamt nicht, die Präsentation hat das falsche Format und der gebuchte Seminarraum ist viel zu klein. Ärgernisse, die den Job anstrengend machen. Bei jedem unangenehmen Szenario gibt es zwei Möglichkeiten, wie Menschen emotional reagieren:

  1. Panik und Chaos im Gehirn!
  2. Akzeptanz und gespannte Neugier.

Die Frage lautet: Welche Reaktion wird die Situation am schnellsten verbessern?

Eindeutig die zweite Variante, kritische Situationen offen anzunehmen: „Jetzt bin ich aber mal gespannt, wie ich das Problem löse!“ Dieser Gedanke entspannt enorm. Springt etwa das Auto nach einem Rastplatz-Stopp nicht mehr an, hilft Panik wenig. Offene Akzeptanz dagegen sehr. Ist der erste Schreck überwunden und wieder Blut im Stirnhirn, könnte derart Gestrandeten vielleicht einfallen, den ADAC anzurufen. Oder an der Tankstelle um Hilfe zu bitten. Wenn es gut läuft, ist das Problem schneller behoben als manch ein Wutanfall andauert.

Gedanken steuern die Gefühle

Was diese Geschichte verdeutlichen soll: Gefühle antworten auf unsere Gedanken – oder unsere Gedanken lenken unsere Gefühle. Die bewusste Entscheidung, in positiven Gefühlen zu bleiben, kann Situationen entschärfen. Sich für einen heiteren, neugierigen Gedanken zu entscheiden, sorgt immer dafür, dass die Panik versiegt. Jeder kann selbst entscheiden, wer am Steuerrad der eigenen Gefühle sitzt: der Stress-Modus oder die Zuversicht.

Diese Zuversicht nenne ich „Heurekum“. Es handelt sich um einen neuronalen Zustand positiver, entspannter, leistungsfähiger Ordnung, von Energie und Lebensfreude – oder wie manche sagen: „Flow“. Die evolutionäre Stress-Feuerwehr nenne ich „Panikum“. Ist Gefahr im Verzug, nimmt sie uns das Zepter aus der Hand, aktiviert Reflexe im Hirnstamm und macht den Körper blitzschnell fit für große Verteidigungsleistungen. Der Überlebensmeister Panikum und der Zuversichtsstifter Heurekum bedienen sich jeweils eigener Hirnareale, mit eigenen neuronalen Schaltkreisen und Neurotransmittern. Ein konstruktiver Gedanke fährt auf einer anderen „neuronalen Autobahn“ als ein Stress-Gedanke. Lenken wir die Gedanken auf die Heurekum-Spur, hemmen wir die andere und umgekehrt. Wenn Menschen immer wieder üben, innerlich die Denkbahnen auf der Seite der Zuversicht zu nehmen, kommen die konstruktiven Gedanken irgendwann automatisch.

Neue Welt, altes Hirn

Aber warum sind wir eigentlich so oft gestresst? Weil wir Menschen auch dann versehentlich das Instrument des Stress-Modus aktivieren, wenn es uns gar nichts nützt. Heutzutage fühlen wir uns zwar weniger physisch, dafür vielmehr emotional bedroht. Trotzdem erhält der Körper den gleichen Impuls: dass unser Leben in Gefahr ist. Doch die steinzeitlichen Stressantworten wie Kampf, Flucht oder Erstarrung funktionieren bei emotionalen Bedrohungen genauso wenig wie ein Hammer, um eine Uhr zu reparieren. Müssen Menschen also beispielsweise vor anspruchsvollem Publikum sprechen oder fällt ein Flieger aus, arbeitet das Angriff-Starre-Flucht-Trio sogar gegen uns. Diese Auswahl versetzt den Körper in Alarmzustand. Um sich aus dem Automatismus der Stressschleifen zu befreien, braucht es andere Mechanismen:

Tipps zur Selbstberuhigung: Mehr als nur persönliche Entspannung

Emotionale Bedrohung abstellen

Beispiel: Was immer die Situation ist – sie zunächst einmal als gut zu definieren, statt sie zu verurteilen oder abzulehnen. Dann erhält die Panikum-Feuerwehr keinen Bedrohungsimpuls und rückt nicht aus. Die emotionale Welle bleibt aus. Der Kopf bleibt klar, um nach einer geeigneten Lösung zu suchen.

Emotional beruhigende Selbstgespräche sind intelligent

Beispiel: „Ich bin gespannt, wie ich das meistere.“ „Ich schaffe das!“ „Ich vertraue mir und dem Wohlwollen in meinem Leben.“

Positive Schlüsselgedanken und Vorstellungskraft nutzen

Beispiel: alle wärmenden, konstruktiven und wertschätzende Gedanken aufschreiben, die man sich selbst senden könnte. Die Gedanken, bei denen die emotionale Antwort am meisten applaudiert hat, einprägen. In schwierigen Situationen beruhigen diese Gedanken sofort. Oder bei Zeit- /Arbeitsdruck: sich für einen Moment vorstellen, dass die aktuellen Aufgaben bereits gelöst sind. Das senkt das Bedrohungsgefühl, bremst Cortisol und ordnet das Gehirn.

Emotionen als Botschaften verstehen, anstatt sie zu bekämpfen

Beispiel: negative Gefühle wie Wut, Angst, Unzufriedenheit anerkennen: „Ich sehe dich, Wut, ich nehme dich wahr. Ich fühle dich und nehme dich an. Du hast einen legitimen Grund. Danke, dass du mir deine Botschaft sendest – auch wenn sie mein Verstand bisher noch nicht in Erkenntnisse umwandeln kann.“ Wenn das jeweilige Gefühl wahrgenommen wurde und damit seine Botschaft abgeliefert hat, beruhigt es sich wieder.

Bewertungen verändern

Beispiel: unbeabsichtigte Fehler im Alltag erlauben und lernen, sie als Teil eines Lernprozesses zu betrachten, Fehler als Chancen für Verbesserungen oder gar Innovationen einkalkulieren. Frei nach dem Motto: Umwege erhöhen die Ortskenntnis.

Atem- und Motorik-Übungen

Beispiel: Schultern bewusst fallenlassen – tief ausatmen. Augen schließen, sich beim Ausatmen vorstellen, Anspannung auszupusten und beim Einatmen, Ruhe aufzunehmen. Das beruhigt das Nervensystem. 

So werden wir die Geister wieder los

Diese Tipps zeigen eine kleine Auswahl an Methoden zur Selbstberuhigung und haben ein gemeinsames Ziel: dem Körper die richtigen Signale zu senden, damit er in kritischen Momenten nicht Alarm schlägt, sondern sie im besten Falle in zuversichtliches, kreatives, proaktives Handeln umwandelt. Mit etwas Übung fällt es leicht, mehr und mehr auf der neuronalen Heurekum-Autobahn unterwegs zu sein.

Fazit: Emotionalen Stress treten wir meist selbst los – durch unbewusste negative und ablehnende Entscheidungen. Dabei ist Widerstand das eigentlich problematische Verhalten, das Stress auslöst – wie „Ich will nicht auf diese Bühne“ oder „Ich kann das nicht“. Das Abgelehnte signalisiert dem inneren Überlebenswächter: Bedrohung! Davor musst du dich schützen oder dagegen wehren! Der innere Widerstand schickt unser Nervensystem auf Achterbahnfahrten, wovon es sich bei Daueralarm immer weniger erholt. Zumal unser Widerstand die Bedrohung meist unbewusst aufrechterhält. Wie bei Autoimmunität reagiert der Körper völlig über – selbst bei Kleinigkeiten, die fürs Weltgetriebe völlig unerheblich sind. Der Kern der Selbstberuhigung liegt im Bewusstmachen, dass wir emotionalen Stress versehentlich selbst erzeugen. Nicht die Umstände leiten uns auf eine bestimmte neurale Autobahn – es ist unsere Antwort auf die Umstände. Wir selbst wählen die Richtung. Das Leben spiegelt unsere Wahl nur wider.

Über die Autorin:

M. Kundermann cc B.P. Final 0917 PSPRkl

Michaele Kundermann ist Therapeutin, Coach und Expertin für die Psychologie der Emotionen und emotionalen Kompetenzen, Rednerin und freiberufliche Trainerin. Sie begleitet Unternehmen, die emotionalen Kompetenzen/ Stresskompetenzen ihrer Teams zu fördern. Als Ergänzung hat sie 2018 das Projekt „Tag der emotionalen Achtsamkeit“ ins Leben gerufen: www.emotionstag.com. Michaele Kundermann entwickelte eine Methode, mit der die Kunst der Selbstberuhigung in vielen Lebenslagen gelingt. www.michaele‐kundermann.com

Das Buch zum Thema:

Cover Emotionale Stress Kompetenz Michaele Kundermann Goldegg Verlag 01

Michaele Kundermann
Emotionale Stresskompetenz
Die Kunst der Selbstberuhigung
288 Seiten, Hardcover
ISBN 978‐3‐99060‐084‐9
ISBN E‐Book 978‐3‐99060‐085‐6
22,00 Euro (Print), 9,99 (E-Book)
Goldegg Verlag, Oktober 2018

„Emotionaler Stress ist umkehrbar und vermeidbar. Er kann mit einfachen Strategien beruhigt und in einen produktiven Zustand transformiert werden. Das kann jeder lernen.“

Stress nimmt uns Lebensfreude! Bevor wir jedoch etwas gegen ihn unternehmen können, müssen wir verstehen, wie er entsteht. Die häufigsten Stressauslöser sind emotionaler Natur und verbergen sich tief in unserem Innersten. Dieses Buch packt das Übel an der Wurzel und bietet neue einfache Lösungen, die leicht in den Alltag übertragbar sind. Die Leser analysieren ihre bisherigen Reaktionen und erhalten praktische Werkzeuge, um Stressursachen zu identifizieren und zu vermeiden. Mit wirksamen Strategien ist es möglich, Stressgefühle in gesunde Energie zu verwandeln und dadurch Leistungsfähigkeit, Konzentration, Kreativität und Lebensfreude zu stärken. Sag adieu zum Stress – mit einem neuen Konzept der Selbstberuhigung!

Leseprobe

www.emotionale-stresskompetenz.com

Podcast des Artikels:

Michaele Kundermann Porträt 2018 klein

(gesprochen von Andrea Laukamp)

 

Bildnachweis: Rosemarie Hofer

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