Urs.R.Baertschi Okt2014 180309

Urs Bärtschi

Reise ins Ich

Innere Größe ist ohne Mut nicht zu haben

Viele Menschen sind mit ihrem Leben unzufrieden. Sie hadern mit ihrem Job, ihrer Partnerschaft, ihrem Umfeld – mit Gott und der Welt. Ob sie etwas an ihrem Leben ändern? - Nein, das tun sie nicht. Sie bleiben schön beim Gewohnten. Warum eigentlich? Das ist doch merkwürdig!

„Glaube an Grenzen und sie gehören dir.“ Richard Bach, Die Möwe Jonathan

„Niemand kann die Zeit zurückdrehen und von vorne anfangen. Aber jeder kann gleich heute neu anfangen und ein neues Ende schreiben.“ Maria Robinson

„Ein unreflektiertes Leben ist es nicht wert, gelebt zu werden.“ Sokrates

Viele Menschen sind mit ihrem Leben unzufrieden. Sie hadern mit ihrem Job, ihrer Partnerschaft, ihrem Umfeld, mit Gott und der Welt. Ob sie etwas an ihrem Leben ändern? - Nein, das tun sie nicht. Sie bleiben schön beim Gewohnten.

Warum eigentlich? Das ist doch merkwürdig!

Der ärgste Gegner sitzt zwischen Ihren Ohren

Dank der Gehirnforschung wissen wir, dass das Gehirn Wiederholungen liebt. Sich in vertrauten Bahnen zu bewegen, findet das Gehirn prima. Das kostet nämlich wenig Energie. Anders sieht es aus, wenn es darum geht, Bekanntes loszulassen und von eingefahrenen Mustern abzuweichen. So etwas kostet Kraft und das Gehirn flüstert seinem Menschen alles Erdenkliche ein, um dies zu verhindern. Deshalb bleibt der Mensch am liebsten dort, wo er sich auskennt – auch wenn die Situation noch so unbefriedigend ist.

Rüstzeug zum Aufbruch: Mut und ein Stein des Anstosses

Ausser – ja, ausser es passiert etwas Einschneidendes. Etwas, das die Routine unterbricht. Manchmal ist es ein äusseres Ereignis wie eine Kündigung oder ein Burnout. Ebenso gut kann es ein inneres Ereignis sein: Der Mensch erreicht etwa einen „Schluss-jetzt“-Punkt, ein Gefühl von „Jetzt-ist-es-aber-genug“.

Charles Dickens beschreibt einen solchen Wendepunkt in seinem Roman „Oliver Twist“. Oliver hat mit seinen acht Jahren die Härte des Lebens bereits mit aller Wucht kennengelernt: Der Vollwaise lebt zuerst bei einer hartherzigen Pflegemutter, die selbst die einfachsten Pflichten versäumt und das Pflegegeld für sich behält. Jetzt, im Pflegeheim, ist es keinen Deut besser: Die Kinder hungern. Eines Abends beschliessen sie, den Koch um Nachschlag zu bitten. Einer muss den Anfang machen. Die Wahl fällt auf Oliver. Im Roman heisst es:

„Der Abend kam heran, der Speisemeister stellte sich an den Kessel, und nachdem ein langes Tischgebet über das kurze Mahl gesprochen war, wurde der Haferbrei ausgeteilt. Dieser war schnell im Magen der Kinder verschwunden, als Oliver aufstand und mit Napf und Löffel vor den Speisemeister hintrat. Hunger und Elend liessen ihn alle Rücksichten vergessen, doch zitterte er, als er sagte: „Bitte, Herr, ich möchte noch etwas mehr.“

Beim Lesen dieser Zeilen meine ich, das Herz des kleinen Olivers bis zum Hals schlagen zu hören. Er hat keinen Grund, auf Freundlichkeit zu hoffen. Seine Erfahrung ist eine andere. Dennoch beweist er Mut und stellt sich seiner Aufgabe.

Trotz aller Risiken den Schritt zu wagen, das zeichnet den Helden aus. Es gehört Mut dazu und Selbstvertrauen. Haben Sie Mut, aufzubrechen? Glauben Sie, dass Sie irgendwie schon zurecht kommen werden?

Die Frage nach dem eigenen Selbstvertrauen begegnet dem Menschen bei allen Herausforderungen und Veränderungen – ganz gleich, ob sich unerwartet eine Hürde in den Weg stellt oder der ersehnte Erfolg ausbleibt: Es ist immer leichter, die Flinte ins Korn zu werfen und wegzulaufen, anstatt Mut zu fassen und für die eigenen Ziele zu kämpfen.

Doch was sind die Folgen, wenn Sie sich der Herausforderung verweigern? 

Zur Reflexion

  • Werfen Sie einen Blick zurück – ein, zwei oder fünf Jahre. Welchen Weg haben Sie eingeschlagen?
  • Wie sind Sie zu dem Punkt gekommen, an dem Sie heute stehen?
  • Welche Entscheidungen haben Sie getroffen? Waren es gute Entscheidungen?

Seien Sie auf der Hut vor Ihren Gedanken!

Wenn es in Ihrem Leben zumindest teilweise knirscht, könnten negative Glaubenssätze die Ursache dafür sein. Diese erweisen sich als effektive Barrieren auf dem Weg zum wahren Ich. Überzogene Selbstkritik, Sorgen und Stress verengen das Blickfeld und verstärken die negierenden Gefühle. Es folgen Gedanken wie „das kann ich nicht“, „das darf ich nicht“ oder „das wird sowieso nichts“.

Welchen Gedanken hängen Sie nach? Diejenigen Gedanken, denen Sie Aufmerksamkeit schenken, formen Ihre Denkstruktur. Nach und nach werden Ihre Denkmuster zur Gewohnheit. Sie erscheinen Ihnen als normal und selbstverständlich.

Zur Reflexion

  • Manche Glaubenssätze wirken wie ein Virus und zerstören bzw. legen alles lahm. Kennen Sie Ihre Stolpergedanken?
  • Worauf konzentrieren Sie sich? Worauf lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit und Energie?
  • Was kostet es Sie langfristig, wenn Sie diesen Glaubenssatz beibehalten: emotional, gesundheitlich, zwischenmenschlich, privat und beruflich?
  • Was bringt es Ihnen, wenn Sie diesen Satz durch einen neuen Glaubenssatz ersetzen?
  • Was ändert sich dadurch langfristig: emotional, gesundheitlich, zwischenmenschlich, privat und beruflich?

Den eingeschlagenen Weg zu verlassen, kostet Mut. Sie haben eine Idee davon, welche Ziele Sie erreichen möchten? Sehr schön. Nur eine Garantie, dass die Ergebnisse Ihrer Reise Ihrem Wunschbild entsprechen, gibt es nicht.

Sind Sie bereit?

Persönlichkeitsentwicklung – nichts für Hasenfüssige

Verwandlung braucht Ruhe

So direkt gefragt, sagen Sie vielleicht „Ja“, denn für einen Moment blitzt vor Ihrem geistigen Auge die Zukunft auf. Die grosse Perspektive, der weite Horizont wird sichtbar.

Sie gehören zum Kreis derer, die zumindest den ersten Schritt wagen. Aber – ach! Die Begeisterung verfliegt schnell. Die alten Muster kommen zurück und nehmen ihren angestammten Platz ein. Alles bleibt, wie gehabt. Der Effekt ist umso stärker, je grösser der Stress ist. Unter Stress greift das Gehirn auf bekannte, schnell verfügbare und vertraute Muster zurück. Allzu oft funktioniert der Mensch in diesen Momenten im Autopilot-Modus. Er ist gefangen zwischen Wollen und Können.

Die eingefahrenen Denk- und Verhaltensmuster reichen meist bis in die Kindheit zurück. Als Kind ist der Mensch ein Genie und Meister der Anpassung. Er sucht sich das vorteilhafteste Verhalten aus und findet seinen Weg durch Versuch und Irrtum, Aktion und Reaktion. Sein inneres Radarsystem lotet dabei fein aus, welche geheimen Bedingungen zu erfüllen sind. Das Kind braucht Anerkennung, Zugehörigkeit und Sicherheit. Deshalb verhält es sich nach den Regeln seiner Umgebung und nach den Normen der jeweiligen Zeit.

Auf die Art formt jeder Mensch in den ersten Lebensjahren seinen Charakter und Lebensstil. Ein Lebensstil ist nichts anderes als die Manifestation eines inneren Lebensplans, den sich das Kind für sein weiteres Leben zu eigen macht. Es ist die Grundmelodie, die das Leben durchziehen wird.

Was uns ausserdem aufhält: Hürden aus Kindertagen

Bei der Ausformung des Lebensstils versucht das Kind, in all den Anforderungen die das Lebensumfeld stellt, eine möglichst gute Position zu finden. Dies gelingt nicht immer und es kann zu irrigen Zielen (Adler) führen. „Ich habe nur einen Platz, wenn ich nicht enttäusche“, könnte ein solches lauten. Es folgt ab da einem inneren Phantom, einer Art Fata Morgana. Noch als erwachsener Mensch strengt sich das einstige Kind an, den Platz zu erkämpfen und den Ort des Segens und der Bestätigung zu erreichen. Dabei irrt es wie durch eine Wüste. Der Durst nach Anerkennung und Geltung leitet es und es bleibt fraglich, ob es auf seinem gewählten Weg Wasser findet. Nicht wenige laufen ihr Leben lang ihrer Fata Morgana nach.

Ob das Kind Glück findet oder nicht, macht dabei keinen Unterschied. Der Mensch ist treu gegenüber den Überzeugungen und Ideen, die ihm in seiner Kindheit beigebracht wurden. Er nimmt sie als gegeben hin und folgt ihnen blind.

Der Ballast wird schwerer:
Mit dem Alter verstärken sich die Glaubenssätze

Im Verlauf des Lebens kommen weitere Erfahrungen hinzu. Im Verbund mit den Kindheitserlebnissen werden sie zu inneren Überzeugungen. Manche wirken sich unterstützend auf das Leben aus, andere einschränkend. Fest steht nur so viel: Der Mensch kommt nicht etwa mit Glaubenssätzen zur Welt, sondern er erwirbt sich diese im Verlauf seiner persönlichen Entwicklung. Da sie erlernt sind, lassen sie sich verändern.

Ein Eingreifen ist allerdings unabdingbar, denn beim Älterwerden neigt der Mensch dazu, die emotionale Umgebung seiner Kindheit zu reproduzieren. Das eigene Verhalten und die Erwartungshaltung führen verlässlich zum erwarteten Ergebnis: Ist der Mensch überzeugt, dass ihn andere Menschen ohnehin nur verletzen, was wird dann wohl geschehen? Die Selbstverstärkungstendenz nimmt gerade im Stress zu. Durch sein Denken und Handeln reproduziert der Mensch die immer gleichen Ergebnisse.

Noch mehr Steine auf dem Weg: Einfluss der Umwelt

Doch nicht nur innere Hürden machen den Aufbruch zu neuen Ufern schwer. Auch die Aussenwelt schränkt den Menschen mit ihren Erwartungen und Urteilen ein. Wie viele Jugendliche werden schon ermuntert, einen Beruf zu wählen, der ihnen Spass macht, bei dem sie kreativ sein und alle ihre Ideen verwirklichen können?“ Die meisten werden aufgefordert, einen vernünftigen und sicheren Beruf zu wählen. Der Mut bleibt dabei auf der Strecke. Der Weg ist vorgezeichnet für ein Leben im Sparmodus.

In den Spiegel blicken, den Ausweg finden

Der Weg aus der Enge heraus führt über ein wachsendes Bewusstsein und über das Verstehen des eigenen Selbst. Um innerlich zu wachsen und einen eigenen Weg zu gehen, ist Selbsterkenntnis notwendig.

Ein wichtiger Punkt dabei ist die Selbstwahrnehmung. Es lohnt, über sie nachzudenken, um besser zu verstehen, wer man ist. Vielen Menschen ist das zu anstrengend und zu mühsam. Es braucht Mut, sich seiner Biografie zu stellen und das Gute wie auch Schwierige zu reflektieren.

Der Wunsch, sich selbst besser zu kennen, muss und sollte im Inneren des Menschen wachsen. Die Perspektive zu erweitern, heisst, eine Perspektive zu schaffen. Dies gelingt nur durch Selbstreflexion.

Zur Reflexion

  • Der Dialog mit sich selbst läuft meist automatisch ab. Beginnen Sie, Ihr Denken, Fühlen und Handeln zu beobachten. Machen Sie sich Ihre inneren Entscheidungen bewusst. Der inneren Stimme Beachtung zu schenken, kann dabei helfen, sich selbst in Entscheidungssituationen besser zu führen.
  • Bringen Sie diese drei Fragen auf einen Nenner: Was begeistert Sie? Was können Sie gestalten? Und was gibt Ihnen Sinn? Wie können Sie Ihre Talente, Begabungen und Fähigkeiten einbringen, entwickeln und wachsen lassen? Brennt das Feuer der Begeisterung in ihnen? Welchen Herausforderungen stellen Sie sich? Übernehmen Sie Verantwortung für Ihre Lebensgestaltung.

Auf lange Sicht macht Sie der Aufbruch trotz der Mühen zufriedener, als in den gewohnten und ausgetretenen Bahnen zu bleiben. Zudem bekommen Sie die Gelegenheit, über sich selbst hinauszuwachsen. Ein Mensch, der sich auf das Neue einlässt, erwirbt beim Handeln weitere Kompetenzen. Zugleich überwindet er Unsicherheiten und Ängste. Auf neuem, unbekannten Terrain werden Ihre Fähigkeiten geweckt und gestärkt. Etwas auszuprobieren und zu wagen, führt immer zu dem Gefühl: „Ich bin kompetent.“

„Das Individuum ist Kunstwerk und Künstler in einem“: Persönlichkeitsentwicklung im Licht der Psychologie von Alfred Adler

1927 schrieb Alfred Adler sein Buch „Menschenkenntnis“. Das Buch war einfach und verständlich im Stil und der amerikanische Markt bereit für einen Selbsthilferatgeber. So wurde das Buch ein Erfolg mit Millionenauflage. Es betonte folgende Aspekte:

  • Kooperation ist erstrebenswerter als Konkurrenz und Macht.
  • Das Kind ist schöpferisch und gestaltungsfähig.
  • Selbstvertrauen und Selbstständigkeit müssen gelernt werden.

Das Leben stellt jedem Menschen Fragen, die er zu lösen hat, und auf deren Grundlage ein innerer Einklang entstehen kann. Rasche Ratschläge waren Adlers Sache nicht. Ihm kam es auf ein besseres Verständnis des Menschseins an. Dazu machte er Hintergründe und Motive des menschlichen Verhaltens deutlich und damit verstehbar.

Alfred Adler betonte die Fähigkeit des Menschen, sich selbst zu steuern und aktiver Mitgestalter der persönlichen Entwicklung zu sein. Dazu verwandte er anschauliche Beispiele. Hier eine Kostprobe aus dem Jahr 1927:

"Wenn wir uns eine Kiefer ansehen, die in einem Tal wächst, so werden wir feststellen, dass sie sich von einer, die auf dem Berggipfel wächst, unterscheidet. Es ist dieselbe Art von Baum, eine Kiefer, aber es liegen zwei verschiedene Lebensstile vor. Der Lebensstil eines Baumes ist seine Individualität, die sich in einer Umgebung ausdrückt und in ihr formt. (...) Bei den Menschen ist es fast ebenso.“

Gut zu sich sein, Wachstum ermöglichen und fördern

Alfred Adler, österreichischer Arzt und Psychotherapeut und Begründer der Individualpsychologie, war der Erste, welcher sich der frühkindlichen Prägungen bewusst war. In seinem Weltbild formt sich das Unterbewusste durch konkrete, vor allem frühkindliche Umwelteinflüsse und Erfahrungen. Adler sagt:

„Wir betrachten das, was wir an ihm sahen, als die Abdrücke seiner ersten Kindheitserlebnisse, die ihm bis ins hohe Alter anhaften.“

Der Mensch ist durch sein soziales Umfeld geprägt, aber auch davon, wie er selbst damit umzugehen lernt. Das Individuum ist Kunstwerk und Künstler in einem.

„Nun ist aber die Wahrnehmung nie mit einem photographischen Apparat zu vergleichen, sondern sie enthält immer etwas von der Eigenart des Menschen.“

Alfred Adler hat uns viele Schlüssel zum Verständnis des Menschseins gegeben, besonders mit der Erkenntnis der Zielstrebigkeit: Die Betrachtungsweise, die nach dem Ziel fragt, ist wesentlich für die Beratungspraxis. Der Mensch gestaltet schöpferisch seinen Lebensstil – geprägt durch ererbte Anlagen und Eindrücke aus der Umgebung. Der Blick durch diesen Filter bestimmt sein Denken, Fühlen und Handeln. Stets liegt eine Intention in seinem Tun: Die verborgenen Ziele können mit der Frage nach dem "Wozu" erkannt werden.

„Wenn man das Ziel eines Menschen kennt und auch sonst in der Welt halbwegs informiert ist, dann weiss man auch, was seine Ausdrucksbewegungen bedeuten können.“

Zur Reflexion

In der Individualpsychologie gehen wir davon aus, dass der Mensch durch Wertschätzung und Ermutigung wächst. Geben Sie auch sich selbst einen wertschätzenden Rahmen, achten Sie auf stabile, zufriedenstellende Beziehungen sowie auf Selbstermutigung. So wird Wachstum möglich. Ein positives Selbstwertgefühl ist eine wertvolle Ressource.

  • Achten Sie in Ihren Selbstgesprächen auf einen „guten Ton“. So fördern und unterstützen Sie Ihr persönliches Wachstum.
  • Dankbarkeit stärkt und festigt Ihre Zufriedenheit.
  • Halten Sie inne: Was fühlt sich an diesem Tag gut an?
  • Welche Ziele haben Sie?
  • Übernehmen Sie die Verantwortung und kommen ins Handeln.
  • Auch das Gefühl von Selbstwirksamkeit ist eine positive und starke Ressource.
  • Zugehörigkeit ist eine gute Ausgangslage für weitere Schritte: Wo haben Sie Ihren Platz?
  • Welches sind Ihre Kraftquellen? Ob Menschen, Orte, Situationen, Erfahrungen: Es ist gut, um diese stärkenden Erfahrungen zu wissen und sie zu pflegen.

Minderwertigkeitsgefühle abbauen

Adlers Individualpsychologie erwies sich als derart alltagsrelevant, dass viele ihrer Konzepte Allgemeingut wurden. Heute spricht zum Beispiel jeder von „Minderwertigkeitsgefühlen“. Nur wenige wissen, dass das Wort von Adler erfunden und geformt wurde. Mehr noch: Adler hat darüber gelehrt und geschrieben, wie Menschen Gefühle der Minderwertigkeit überwinden können. Adler schrieb:

„Das Gefühl der Minderwertigkeit ist also wichtiger als die Minderwertigkeit selber, und das Minderwertigkeitsgefühl entsteht immer auf einem sozialen Hintergrund. Bei den einen löst dieses quälende Minderwertigkeitsgefühl ein zielstrebiges Training zur Überwindung aus, bei den anderen eine asoziale oder antisoziale Haltung: Eine Bestätigung auf einem sozial unnützen Gebiet, ein krankhaftes Streben nach realer oder eingebildeter Macht und Überlegenheit.“

Alle Menschen erleben Minderwertigkeitsgefühle, die ihre Handlungen beeinflussen. Die Selbstabwertung stört in allen Lebenssituationen: Der Mensch macht sich auf den Weg und beginnt etwas. Er hört aber viel zu schnell wieder auf. Mancher fühlt sich derart entmutigt, dass er überhaupt nicht mehr handelt.

Beim innerlichen Kreisen um die Minderwertigkeit stehen eigene Hemmungen oder das Entschuldigen von eigenen Defiziten im Vordergrund. Ist der Mensch bei seiner Arbeit trotz seines Grundgefühls erfolgreich, wertet er seine Leistung ab: „Jeder andere hätte dasselbe zustande bringen können, wenn er so viel Arbeit investiert hätte.“ Seine Selbstgespräche sind negierend und der Entmutigungskreislauf nimmt seinen Lauf.

Sich mit der eigenen Biografie auszusöhnen, ist ein elementarer Schritt zu persönlichem Wachstum. Versäumt der Mensch die zu leistende Selbstarbeit, führt dies „zu einer Verschärfung gewisser Charakterzüge“ .

Zur Reflexion

Erlauben Sie sich Großzügigkeit sich selbst gegenüber? Tun Sie es, und werden Sie toleranter zu sich selbst. Keine einfache Aufgabe, denn die Prägungen sitzen tief. Von Kindesbeinen an fühlen wir uns immer wieder einmal ungenügend. Das ist normal. Doch bei manchen wird die negierende Grundstimmung zur Selbstverständlichkeit. Sie prägt den Lebensalltag.

Sätze, die ein Mensch wiederholt zu sich sagt, hört er nicht mehr. Die Aussagen sind selbstverständlich für ihn. Nehmen wir als Beispiel: „Ich muss mich anstrengen und beweisen, dass ich dies perfekt hinkriege.“ Wie wäre es, diesen Satz zu schütteln und auf den Kopf zu stellen? Kreieren Sie Variationen: „Ich werde akzeptiert, wenn ich Fehler mache.“ Trauen Sie sich noch mehr? Welche Steigerung ist noch möglich?

Fragen Sie doch einmal einen Menschen mit Witz und Humor, ob er den Satz mit Ihnen weiterentwickelt. Es darf gelacht werden. Alle Varianten sind gut: das herzhafte Lachen nach einem gut platzierten Witz, das prustende Lachen in einer Situationskomik oder das feine Lächeln der Erkenntnis über sich selbst. Alfred Adler verstand die Kunst, lächelnd die Wahrheit zu sagen. „Humor ist verbindend“, stellt auch Michael Titze fest, „er wirkt spannungslösend und stellt jeder übermächtigen Ernsthaftigkeit eine Prise belebende Narrenfreiheit entgegen.“

Übrigens, wie finden Sie: „Ich werde geliebt, obwohl ich es verbockt habe!“?

Welchen weiteren Satz erlauben Sie sich und gestehen ihn sich zu? Wo können Sie grosszügiger, toleranter und menschlicher mit sich selbst sein? Festgefahrene Konzepte sind Energieräuber und bereiten Ihnen wie auch Ihren Mitmenschen zu viel Stress. Schaffen Sie Toleranzweite in Ihrem Inneren und arbeiten mit den Sätzen:

  • „Ich nehme mich wichtig und finde heraus, was ich selbst will.“
  • „Ich bin mit mir zufrieden, so wie ich bin.“
  • „Ich darf nachdenken, bevor ich es auf meine Art tue.“
  • „Ich habe eine eigene Meinung.“
  • „Ich darf mir Hilfe holen. Dadurch verliere ich nicht mein Gesicht.“
  • „Ich darf stark sein und zugleich schwach.“
  • „Ich traue meinen Gefühlen und lasse mich von ihnen leiten.“
  • „Ich brauche niemanden zu beeindrucken, um gemocht zu werden.“

Angekommen in der neuen Welt

Die bewusste Auseinandersetzung mit der eigenen Persönlichkeit erlaubt es, dem Menschen, sich und sein Verhalten sowie seine Entscheidungen besser zu verstehen. Er versetzt sich in die Lage, Wünsche, Werte, Ängste und vielleicht auch Vorurteile zu hinterfragen, die er bisher als gegeben und unumstösslich angesehen hatte. Eine gesunde Selbstwahrnehmung reduziert den Stress, macht zufriedener und hilft beim Vorankommen. Wer seine Persönlichkeit kennt und erkundet, weiss, wohin er will und warum er dorthin will. Er kennt seine Bewegungsmuster und Ziele und kann so leichter sein Leben und seine Beziehungen gestalten. Das eigene Menschsein wird verständlicher. Meist fällt es damit auch leichter, andere Menschen zu verstehen. 

Der Autor: Urs R. Bärtschi

Urs R. Bärtschi ist Coach mit eidg. Diplom und Gründer der Coachingplus GmbH in Kloten. Er ist seit 25 Jahren als Coach und Berater tätig. Als Ausbildungsleiter unterrichtet er den zehntägigen Studiengang für angewandtes Coaching und bildet zum «Betrieblichen Mentor FA» aus. Die meistbesuchte Coaching-Ausbildung in der Schweiz.

Dialog mit Urs R. Bärtschi
unter: https://coachingplus.ch/kontakt

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