Dr. Margret Richter Dr. Margret Richter

Systemdenken

Organisationsentwicklung mit Simulationsmodellen

Dr. Margret Richter


Computer- und Multimedientechnik bieten neue Lernmöglichkeiten für Organisationen. Voraussetzung dafür ist die Entwicklung von Simulationsmodellen auf der Basis der Methoden des Systemdenkens. Wie Flugsimulatoren dienen sie der Ausbildung von Führungskräften und der Weiterentwicklung der Organisation im Spannungsfeld mit den Wettbewerbern.

Viele Menschen sehen in der Computer- und Multimedientechnik neue Lernmöglichkeiten für Kinder. Dieselben Prinzipien und Techniken können auch für Erwachsene bedeutsam sein und für das Lernen am Arbeitsplatz. Computer gelten immer noch als Maschinen, die Zahlen und Informationen sammeln, speichern und verarbeiten. Sie gelten nicht als Lerninstrumente, die unsere Wahrnehmung und Deutung von Informationen verändern können.

Selbst erfahrene Entscheidungsträger filtern ihre Entscheidungen häufig durch nicht systemische mentale Modelle. Sie deuten Symptome als Ursachen und reagieren mit Verhaltensweisen, die das Problem verschlimmern und nicht verbessern. Ein Mehr an Informationen bedeutet nicht zwangsläufig besser informiert zu sein. Es kann den Entscheidungsprozess erdrücken und lähmen. Es kann die Aufmerksamkeit auf irreführende Punkte lenken. Es kann den Einfluss der Informationsexperten steigern, die das Irrelevante nicht vom Relevanten trennen können und denen es am Verständnis für das Zusammenwirken von Informationen mangelt und die deshalb schlechte Ratgeber für geschäftliche Entscheidungen sind.

 

Simulationsmodelle entfalten ihre größte Wirkung als Lern- und nicht als Prognoseinstrumente

Die Anwendung von Simulationsmodellen zur Lernförderung stellt eine große Herausforderung dar. Sie birgt die Gefahr kurzlebiger Erfolge und oberflächlicher Verbesserungen. Die Entwicklung simulationsfähiger Modelle auf der Basis des Systemdenkens ist sehr anspruchsvoll. Valide Modelle von Organisationsbereichen spiegeln immer die Realität derjenigen, die diese Modelle entwickelt haben. Je mehr Menschen an der Entwicklung
beteiligt sind, desto mehr Perspektiven sind zu berücksichtigen und desto schwieriger ist es, einen Konsens zu finden, mit dem alle Beteiligten zufrieden sind.
Simulationsmodelle ermöglichen es den Beteiligten, über ihre Denk- und Handlungsweisen nachzudenken, ihre mentalen Modelle aufzudecken und zu verbessern und wirkungsvolles Handeln zu trainieren. Simulationsmodelle ermöglichen es, geistig in dem selbst entwickelten Modell zu „leben“, Experimente durchzuführen und ein tieferes Verständnis für die reale Welt zu gewinnen. Sie entfalten ihre größte Wirkung als Lern- und nicht als Prognoseinstrumente.

Simulationsmodelle von Organisationen lassen sich wie traditionelle Flugsimulatoren nutzen. Letztere dienen der Ausbildung von Piloten, die auf diese Weise Erfahrung mit Flugmanövern gewinnen, ein Gefühl für die Reaktionen der Maschine entwickeln und intuitionswidrige Verhaltensweisen erlernen, die beim Fliegen erforderlich sind. Weiterhin dienen sie der Verbesserung des aerodynamischen Designs, der Entwicklung von Prinzipien und Methoden, um die Interaktion von Maschine und Luftraum zu verbessern. Ähnlich erfüllen auch Simulationsmodelle zwei Funktionen. Erstens unterstützen sie die damit Arbeitenden, die Wechselbeziehungen in ihrer Organisation und die Folgen ihres eigenen Handelns zu verstehen. Zweitens erweitern sie ihr Wissen in einem fortlaufenden Prozess, übertragen es in das Simulationsmodell und entwickeln ihre Organisation im relevanten Umfeld weiter.

Entwicklung von Simulationsmodellen

Wir entwickeln z.B. Simulationsmodelle mit einem Team aus circa dreißig Entscheidungsträgern einer Organisation. In zahlreichen Kleingruppen, unter der Moderation von vier Systemdenkern und auf der Basis der Methoden des Systemdenkens benötigen wir dafür einen zweieinhalbtägigen Workshop, ohne Anwendung eines Computers! Das Ergebnis ist ein Modell zu einer komplexen Fragestellung der betreffenden Organisation sein, wie zum Beispiel: „Was müssen wir gemeinsam tun, um den Gewinn unseres Unternehmens bis 2014 um zehn Prozent zu steigern?“ Die Workshopteilnehmer müssen zur Entwicklung des Modells über keinerlei Kenntnisse im Systemdenken verfügen. Sie sollten jedoch Experten ihrer jeweiligen Fachbereiche sein. Unsere Systemdenker übertragen das an der Pinwand erarbeitete Modell in die Software HERAKLIT1 und machen daraus unter Anwendung mathematischer Gesetzmäßigkeiten ein Simulationsmodell. Dieser Workshoptyp wird SyntHera2 genannt. Er bringt Ergebnisse hervor, für deren Erarbeitung nach traditioneller
Arbeitsweise mehrere Wochen oder Monate erforderlich sind.

Selbstverständlich können Simulationsmodelle auch unter Einbindung von nur zehn bis zwölf Entscheidungsträgern erarbeitet werden. Das erschwert allerdings die Umsetzung der Ergebnisse.

Nutzen von Simulationsmodellen

Anhand von Simulationsmodellen lernen die Fachexperten die Wechselbeziehungen zwischen den einzelnen Abteilungen kennen. Sie erkunden die Folge-, Neben- und Spätwirkungen ihres Tuns. Sie finden Lösungen für organisationsinterne und -externe Probleme. Sie testen die Auswirkungen möglicher Ereignisse, die die Wettbewerbsfähigkeit der Organisation beeinträchtigen können. Sie entwickeln und testen Strategien, um diese zu stärken. Da die wesentlichen Entscheidungsträger das Modell im Konsens erarbeitet haben, ist die Umsetzungswahrscheinlichkeit der wirksamen Strategien und Maßnahmen hoch. Effizientes Lernen und effiziente Weiterentwicklung können anhand der Simulationsmodelle stattfinden. Valide Simulationsmodelle sind eine wissenschaftlich fundierte und praxiserprobte Arbeitsgrundlage, die die Entscheidungsfähigkeit in komplexen Situationen optimiert und die Organisationsentwicklung fördert.

Zum Kennenlernen kann in einem kleinen Workshop auch ein Simulationsmodell zu einer Fragestellung des persönlichen Lebens wie zum Beispiel: „Erfolg von Hans Meier“ erarbeitet werden (s. Abb. 1). Wenn das Simulationsmodell die relevanten Faktoren der realen Situation mit ihren wirksamen Beziehungen abbildet, kann man durch sie ein besseres Verständnis der eigenen Erfahrungen gewinnen.

Literaturtipp:

•    Richter, M.: Blick in die Zukunft mit
Synthera®, in SEMRADAR Nr. 2 / 2010
•    Senge, P.M. et al.: Das Fieldbook zur Fünften Disziplin, Stuttgart 1994

Zur Autorin

 

Dr. rer. Nat. Margret Richter studierte in Marburg Pharmazie. Sie hat mehrjährige Erfahrung in der Pharmaindustrie und als selbständige Apothekerin. Dr. Richter hat sich spezialisiert auf das Management komplexer Probleme und arbeitet seit 20 Jahren auf den Gebieten Vernetztes Denken, Biokybernetik, Systemtheorien und Evaluation. Als Inhaberin der SOLIDIA Managementberatung hat sie ihre Schwerpunkte in den Gebieten Strategie, Veränderung und Evaluation.

SOLIDIA – Managementberatung
Dr. Margret Richter
Rönkrei 49, D-22399 Hamburg
Tel. 040-6447074, Fax 040-6444645
margret.richter@solidia.de

www.solidia.de



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