Dr. Margret Richter Dr. Margret Richter, Expertin für Systemdenken und Komplexitätsfragen

Der Weg zur Nachhaltigkeit

Die wirtschaftlichen und ökologischen Probleme in der Welt zeigen die Unzulänglichkeit des traditionellen linearen Denkens und Handelns in hochkomplexen Situationen. Es ist notwendig, die vernetzten Zusammenhänge der Organisationen zu begreifen, um nachhaltig und damit evolutionär handeln zu können. Die Natur dient dafür als Vorbild. Ihre Gesetzmäßigkeiten werden mit den Methoden und Instrumenten des Systemdenkens genutzt.

Börsencrashs, Wirtschaftskrise, strukturelle Arbeitslosigkeit sowie alarmierende Umweltveränderungen basieren nicht auf Zufällen. Sie sind die Folge der jahrzehntelangen Missachtung von Gesetzmäßigkeiten komplexer Systeme. In der Natur sorgen sie seit Jahrmillionen dafür, dass diese nicht „Pleite geht“. Angesichts der zunehmenden Vernetzung wirtschaftlicher, ökologischer und psychosozialer Faktoren sollten sie die Grundlage unseres Planens und Handelns bilden.

Grundregeln der Biokybernetik

 

1. Negative Rückkopplung muss über positive Rückkopplung dominieren.

Positive Rückkopplung bringt die Dinge durch Selbstverstärkung zum Laufen. Negative Rückkopplung sorgt für Stabilität gegen Störungen und Grenzwertüberschreitungen.

2. Die Systemfunktion muss unabhängig vom quantitativen Wachstum sein.

Langfristig ist der Durchfluss an Energie und Materie gleich. Dadurch verringert sich der Einfluss von Irreversibilitäten. Grenzwerte werden seltener unkontrolliert überschritten.

3. Das System muss funktionsorientiert und nicht produktorientiert arbeiten.

Dadurch erhöht sich die Flexibilität und Anpassungsfähigkeit des Systems an veränderte Gegebenheiten. Das System überlebt auch bei veränderten Angeboten.

4. Nutzung vorhandener Kräfte nach dem Jiu-Jitsi-Prinzip statt Bekämpfung nach der Boxer-Methode.

Fremdenergie in Form von Energiekaskaden und Energieketten wird genutzt. Die eigene Energie dient vorwiegend als Steuerenergie. Die Selbstregulation wird dadurch gefördert, sodass von vorliegenden Konstellationen profitiert wird.

5. Produkte, Funktionen und Organisationsstrukturen werden mehrfach genutzt.

Das reduziert den Durchsatz, erhöht den Vernetzungsgrad und verringert den Energie-, Material und Informationsaufwand.

6. Recycling durch Nutzung von Kreisprozessen.

Ausgangs- und Endprodukte verschmelzen. Materielle Flüsse laufen gleichförmig. Irreversibilitäten und Abhängigkeiten werden gemildert.

7. Symbiose durch gegenseitige Nutzung von Verschiedenartigkeit.

Kleine Abläufe und kurze Transportwege werden begünstigt. Dadurch verringern sich Durchsatz und externe Dependenz. Die interne Dependenz erhöht sich. Der Energieverbrauch verringert sich.

8. Biologisches Design von Produkten, Verfahren und Organisationsformen durch Feedback-Planung.

Dabei werden endogene und exogene Rhythmen berücksichtigt, Resonanzen und funktionelle Passformen genutzt. Die Systemdynamik wird harmonisiert. Zugleich ist es möglich, neue Elemente nach den acht Grundregeln zu integrieren.

Außer diesen acht biokybernetischen Grundregeln gibt es bewährte Instrumente des Systemdenkens wie zum Beispiel die Software HERAKLIT und Synthera, mit der anhand der Methoden des Systemdenkens die Entscheidungsfindung, die Strategieentwicklung und die Investitionen in komplexen Situationen optimiert werden können. Nur wenn die Gesetzmäßigkeiten von Systemen beherzigt werden, kann die Entwicklung wirtschaftlicher und ökologischer Systeme nachhaltig beeinflusst werden.

Unsystemisches Handeln als Grund für steigende Risiken

Die größten Risiken für die Entwicklung von Unternehmungen und Volkswirtschaften liegen im unsystemischen Denken und Handeln. Die
Gesamtzusammenhänge und damit die Gesetzmäßigkeiten lebensfähiger Systemstrukturen werden nach wie vor meist ignoriert. Stattdessen konzentriert man sich auf die Perfektion von Details und Einzelabläufen. Katastrophen, Instabilitäten und Pannen werden meist als Unfälle bezeichnet und auf mangelnde Optimierung von Einzelabläufen zurückgeführt. Auch ein Autounfall ist nicht die Ursache, sondern die Folge mangelhafter Steuerung. Die Praxis zeigt, dass auch aus der genauesten Datenerfassung von Einzelfaktoren nichts über deren Rolle im System zu erfahren ist und nichts über deren Möglichkeiten und Risiken.
 
Viele Manager sehen Fortschritt nicht in der Metamorphose, sondern nur im fortschreitenden Wachstum bestehender Produktionen. Das Ergebnis dieser Denk- und Handlungsweise zeigt die Abbildung. Bei Wachstumsabhängigkeit überschreitet man leicht den kritischen Punkt, das Abbiegen in die Waagerechte. Negative Rückkopplungen, die ein Abbiegen herbeiführen würden und gleichzeitig Impulse zur Innovation und zur Metamorphose geben könnten, werden ausgeschaltet. Die Flexibilität, das wichtigste Potenzial zur Anpassung, wird oft wegrationalisiert und nicht als Unternehmensressource gepflegt. Unternehmen flüchten sich gern in Subventionen, produzieren am Markt vorbei und bewegen sich entlang der steigenden gestrichelten Linie. Schließlich stoßen sie an absolute Grenzwerte, an denen kein Abbiegen in eine stationäre Phase mehr möglich ist. Der Sturz nach unten ist vorprogrammiert.

Neue Orientierungsgrößen für Nachhaltigkeit

Viele ehemals klare Unternehmensziele, wie Produktionswachstum, Gewinnmaximierung oder Umsatzsteigerung sind heute nicht mehr die richtigen Orientierungsgrößen. Erforderlich ist die Definition von Unterzielen für die einzelnen Organisationsbereiche. Für diese muss das Zusammenwirken im Sinne der Steigerung der Lebensfähigkeit der Gesamtorganisation betrachtet werden. Mit den Methoden und Instrumenten des Systemdenkens ist eine solche Unternehmenssteuerung möglich.

Systemische Vorgehensweise bedeutet nicht detaillierte Vorprogrammierung oder zentrale Steuerung, sondern Impulsvorgabe zur Selbstregulation, Antippen von Wechselwirkungen, Stabilisierung der Systeme durch Flexibilität und Nutzung vorhandener Kräfte und Energien durch ständiges Wechselspiel mit ihnen. Dieses Vorgehen ist seit Jahrmillionen der Garant für Leben in der Natur.

Zur Autorin:

Dr. rer. nat. Margret Richter studierte in Marburg Pharmazie. Sie hat mehrjährige Erfahrung in der Pharmaindustrie und als selbständige Apothekerin. Dr. Richter hat sich spezialisiert auf das Management komplexer Probleme und arbeitet seit 20 Jahren auf den Gebieten Vernetztes Denken, Biokybernetik, Systemtheorien und Evaluation. Als Inhaberin der SOLIDIA Managementberatung hat sie ihre Schwerpunkte in den Gebieten Strategie,

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