Margret Richter Dr. Margret Richter

Systemdenken

Komplexitäts-Management in der Produktion

Dr. Margret Richter

Produktionsprozesse, Beschaffungsmärkte und Absatzmärkte sind äußerst komplex und unterliegen einer hohen Dynamik. Die Produktionslenkung sollte sich deshalb an biokybernetischen Gesetzmäßigkeiten orientieren, die gesundes Funktionieren garantieren. Dazu gehört die Definition von Fließgleichgewichten für den Produktionsprozess und die Installation effizienter Lenkungssysteme zur Handhabung der Komplexität in der Produktion.

Verkäufermärkte wandeln sich immer mehr zu Käufermärkten, d.h. die Vertragsbedingungen (Preisnachlässe, Zahlungsbedingungen, Lieferbedingungen, Handelszeiten und Handelsorte) werden immer mehr durch den Käufer festgelegt.

Daraus resultiert eine zunehmende Dynamik der relevanten Umweltfaktoren. Technische Produkte werden immer ähnlicher. Am Markt konkurrieren deshalb nicht mehr Produkte sondern effiziente Organisations- und Lenkungsstrukturen. Unternehmen, die komplexe Erzeugnisse nach Kundenspezifikationen herstellen, müssen die enormen Probleme bewältigen, die die Komplexität des Produktionsprozesses und die Komplexität des Marktes mit sich bringen.

Der stärkste Komplexitätstreiber ist der Markt mit seiner Dynamik. Beschaffungsmarkt, Absatzmarkt und Produktionsprozess sind keine starren Größen. Sie unter-liegen ständigen Schwankungen. Die zunehmende Nachfrage nach kundenspezifischen Problemlösungen und die gestiegene Bedeutung kurzer Lieferzeiten und hoher Termintreue stellen wesentliche Herausforderungen dar. Art, Umfang und zeitliches Auftreten der externen und internen Störungen sind zum Zeitpunkt der Produktionsplanung unbekannt. Sie führen zu Planabweichungen, wenn die Produktionslenkung nicht imstande ist, diese Störungen effizient zu handhaben.

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System Produktion

Die Effektivität des Produktionsprozesses wird in entscheidendem Maße durch die Handhabung der Komplexität im Materialfluss und im Lenkungssystem bestimmt. Es geht darum, ein bestimmtes Produktionsprogramm in der richtigen Menge, in der richtigen Qualität, zum richtigen Preis und zum richtigen Zeitpunkt abzuarbeiten. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, muss das Produktionssystem ein robustes System darstellen.

Das ist es, wenn es trotz Störungen ein Verhalten aufweist, das den Planungen entspricht. Um das zu erreichen, darf das Produktionssystem nicht mehr als die Summe einzelner Teilfunktionen gesehen werden. Das Produktionssystem muss vielmehr als offenes System untereinander vernetzter Prozesse verstanden werden, das sich wie ein lebender Organismus verhält. Das Produktionssystem ist offen, da Material- und Informationsflussbeziehungen mit seiner Umwelt bestehen.

Fließgleichgewichte herstellen

Es stellt sich die Frage, wie der Mensch und andere Organismen ihre eigene Komplexität handhaben und dabei gesund bleiben. Ein Beispiel soll verdeutlichen, wie das offene komplexe System Mensch mit Störungen umgeht.

Bei Belastungen unterhalb der Dauerleistungsgrenze steigt die Herzfrequenz, ausgehend von einem Ruhewert von circa siebzig Schlägen pro Minute zunächst an, bleibt dann über einen längeren Zeitraum konstant (steady state) bei circa hundert Schlägen pro Minute und fällt nach Beendigung der Belastung wieder auf den Ruhewert ab (Erholungsphase).

Gesundheit bewegt sich innerhalb von definierten Grenzen, das heißt innerhalb von Maximal- und Minimumwerten, die in einem gesunden Organismus bei Störungen nicht über- oder unterschritten werden. Das gilt ebenso für Blutdruck, Blutzucker, Körpertemperatur, Hormonkonzentrationen und alle anderen Stoffwechselvorgänge. Für alle Parameter gibt es für den gesunden Körper Ober- und Untergrenzen, zwischen denen sich die einzelnen Parameter in Abhängigkeit unterschiedlicher Einwirkungen auf den betreffenden Parameter befinden. Sie sind in einem Fließgleichgewicht beziehungsweise einem dynamischen Gleichgewicht. Darunter werden funktionsbedingte innere Gleichgewichtszustände offener Systeme verstanden, die stets aufrechterhalten beziehungsweise wiederhergestellt werden müssen, auch wenn sich zwischen System und Umgebung ständig Austauschprozesse vollziehen.

Bezüglich des Produktionssystems bedeutet das, dass Zufuhr und Abfluss von Stoffen und Informationen so geregelt werden müssen, dass sich das Produktionssystem in einem dynamischen Gleichgewicht befindet, weil es sich ständig verändert. Ein Gleichgewicht wird nie dauerhaft erreicht. Anstelle dessen kommt es zu einem andauernden Pendeln um einen mittleren Zustand (s. Abb. 1).

Fließgleichgewichte garantieren das Funktionieren und Fortbestehen auf jeder Stufe des Lebens, von Einrichtungen, von Unternehmen und eben auch von Produktionssystemen. So kommt es in der Produktion darauf an, unter den Bedingungen laufender Zu- und Abgänge im Güterstrom zwischen Unternehmen und Umgebung und unter Beachtung der Befriedigung der Kundenwünsche entsprechend dem Marketingkonzept ein güterwirtschaftliches Fließgleichgewicht aufrechtzuerhalten.

Regelkreisstruktur

Das Fließgleichgewicht lässt sich durch Regelkreisstrukturen und negative Rückkopplung erreichen. Als Rückkopplung bezeichnet man eine geschlossene Schleife in einem Wirkungsnetz. Ein Beispiel dafür im menschlichen Organismus ist die Steuerung der Hormonproduktion. Ein einfaches technisches Beispiel für negative Rückkopplung in Form eines Regelkreises ist die Temperaturregulation durch einen Thermostaten. Je höher die Temperatur wird, desto weniger wird geheizt und umgekehrt.

Dementsprechend kann die Effizienz des Produktionsprozesses entscheidend durch die Handhabung der Komplexität im Materialfluss und im Lenkungssystem optimiert werden. Als Basis dafür dienen die bio-kybernetischen Regelungsmechanismen, die Garant für das gesunde Funktionieren des Lebens sind.

Literaturtipp:

  • Westphal, J. R.: Komplexitätsmanagement in der Produktionslogistik,
  • Internet: http://www.tu-dresden.de/vkiwv /VWL/home.htm, 2000
  • Vester, Frederic: Die Kunst vernetzt zu denken, DVA 2001.

Die Autorin: Dr. rer. Nat. Margret Richter

studierte in Marburg Pharmazie. Sie hat mehr-jährige Erfahrung in der Pharmain¬dustrie und als selbständige Apothekerin. Dr. Richter hat sich spezialisiert auf das Management komplexer Probleme und arbeitet seit 20 Jahren auf den Gebieten Vernetztes Denken, Biokybernetik, Systemtheorien und Evaluation. Als Inhaberin der SOLIDIA Managementberatung hat sie ihre Schwerpunkte in den Gebieten Strategie, Veränderung und Evaluation.

SOLIDIA – Managementberatung
Dr. Margret Richter
Rönkrei 49, D-22399 Hamburg
Tel. 040-6447074, Fax 040-6444645
margret.richter@solidia.de, www.solidia.de 

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