klaus dannenberg-foto2013 Klaus Dannenberg

Effizienzmotor „Stille Stunde“

Wenn die interne Kommunikation im Unternehmen zum Problem wird

Unternehmen:

Kleine Unternehmen bis Mittelstand ab ca. 100 Mitarbeiter im Verwaltungsbereich

Problemsituation:

1. Mitarbeiter verlassen sehr häufig ihr Büro, um mit anderen Mitarbeitern in anderen Büros über
geschäftliche Vorgänge zu sprechen.

2. Mitarbeiter telefonieren sehr häufig mit Mitarbeitern aus anderen Büros zu geschäftlichen Vorgängen.


Bereitschaft zur Veränderung:

Dieser Zustand wird vom Unternehmer, wie auch zunehmend von vielen Mitarbeitern immer stärker als Unruhe und Störung empfunden. Die Bereitschaft, den Zustand zu ändern ist somit relativ hoch.

Zielsetzung:

Mehr Zeit und Ruhe um konzentrierter, systematischer und effizienter seine Arbeiten erledigen zu können. Seine Vorgänge mehr „in einem Stück“ bearbeiten können. Weniger Störungen erfahren.

Lösungsvorschlag: Einführung einer „Stillen Stunde“, jeweils für den Vormittag und den Nachmittag

Lösungsweg:

  1. Bewusstsein schaffen bzw. verstärken durch Einbeziehung der Geschäftsleitung und der Mitarbeiter in die Planung des Vorhabens.
  2. Einführung und Kontrolle der „Stillen Stunde“; ggf. Korrekturen bzw. auch Neubelebung nach Einschleichen des bisher gewohnten „alten“ Verhaltens.

Zu 1. Bewusstsein schaffen bzw. verstärken durch Einbeziehung der Mitarbeiter in die Planung des Vorhabens.

Fünf Gruppen zu jeweils 15-20 Mitarbeitern arbeiten jeweils ½ Tag unter Anleitung durch den Trainer/Berater mit dem Themenkomplex. In jeder Gruppe sind Mitarbeiter aller Abteilungen.

Befragung:

Frage 1: Jeder Mitarbeiter beantwortet, wie oft er nach seiner eigenen, subjektiven Einschätzung im Laufe eines durchschnittlichen Arbeitstages sein Büro verlässt, um mit KollegInnen in anderen Abteilungen zu sprechen, oder etwas zu holen bzw. zu bringen.

Frage 2: Jeder Mitarbeiter beantwortet, wie viele Minuten lang er im Durchschnitt bei einem solchen Verlassen des Büros abwesend ist. Auch dieser Wert beruht auf seiner eigenen, subjektiven Einschätzung.

Aus beiden Ergebnissen wird jeweils der Durchschnitt (Ø)ermittelt.

Beispiel:

„Büro verlassen pro Tag“ ges. Gruppe = imØ 6 x p. Mitarbeiter.

„Minuten p. Abwesenheit“ ges. Gruppe = im Ø 10 Min. p. Abwesenheit.

Ergebnis:

Im Durchschnitt ist ein Mitarbeiter des Unternehmens pro Tag also 1 Std. nicht an seinem eigentlichen Arbeitsplatz.

Nach der Arbeit mit allen fünf Gruppen ergibt die Multiplikation beider Werte den Durchschnitt der täglichen Abwesenheit eines Mitarbeiters von seinem Arbeitsplatz in seiner Abteilung, um mit Mitarbeitern anderer Abteilungen aus geschäftlichen Gründen zusammen zu kommen (ohne Pausen, Toilettenbesuche, Konferenzen).

Diese Vorgehensweise ergibt eine hohe Akzeptanz der heraus gefundenen Werte für den ganz überwiegenden Teil der Mitarbeiterschaft; sie werden als realitätsnah akzeptiert, dies u. a. auch, da sie selbst erarbeitet worden sind. Dennoch wird oft die Frage gestellt, ob dies nicht eine unzumutbare Einschränkung der sozialen Kontakte bedeutet. (Hierzu s. am Schluss den Punkt: Fazit, zu bedenken ist).

Um die große Bedeutung solcher Überlegungen für das Unternehmen insgesamt darzustellen, können folgende Szenarien durchdacht werden.

Beispiel: (pro Mitarbeiter)

1 Stunde/Tag              x 5 Tage/Woche                   = 5 Stunden/Wo.
5 Std./Wo.                  x 40 Wo./p.a.                        = 200 Std.p.a./Mitarb.

gesamt
200 Std./p.a.               x 200 Mitarbeiter                 = 40.000 Std./p.a.
40.000 Std/.p.a.          x  ? € Kosten/Mitarb.-Std.    =  ?   € Kosten/p.a.

Selbst bei Halbierung des Ergebnisses, um evtl. zu hohe Selbsteinschätzungen der Abwesenheit zu berücksichtigen, wird von der Geschäftsleitung und der Mitarbeiterschaft die Notwendigkeit von Verhaltensänderungen akzeptiert.

Zu 2.: Einführung und Kontrolle der „Stillen Stunde“; ggf. Korrekturen bzw. Neubelebung nach Einschleichen des bisher gewohnten „alten“ Verhaltens.

Eine Möglichkeit zur Veränderung bietet die Einführung der „Stillen Stunde“, jeweils eine Stunde vormittags und eine Stunde nachmittags. Dem liegt folgende Erkenntnis zugrunde:

Mitarbeiter die Überstunden machen, begründen das sehr oft mit Aussagen wie: „da stört mich keiner“, „da klingelt kein Telefon mehr“ und „da kann ich in Ruhe konzentriert arbeiten“ etc.
Es geht also darum, möglichst störungsfreie, „beruhigte“ Zeitabschnitte zu schaffen.

Was bedeutet die „Stille Stunde“?

Beispiel:

Vormittags von z.B. 10 – 11 Uhr und nachmittags von z.B. 14.30 – 15.30 Uhr gilt jeweils als „Stille Stunde“:

Regeln:

Einführung „Stille Stunde“ am Vormittag und Nachmittag:

Kontrolle, Korrektur, ggf. Neubelebung:

Fazit der konsequent eingehaltenen „Stillen Stunde“:

Zu bedenken ist:

Es muss mehrfach mit der kritischen Frage nach „Einschränkung der persönlichen sozialen Kollegenkontakte“ gerechnet werden. Sie ist im Vorfeld offensiv an zu gehen, indem sie in der Vorbereitungsphase mit der Geschäftsleitung bearbeitet wird. Eine sinnvolle und erfahrungsgemäß sehr wirksame Möglichkeit besteht darin, dass die Geschäftsleitung einen Teil der u. U. erheblich geminderten Kosten den Mitarbeitern als Anerkennung ihrer effizienteren Arbeitsleistung sozusagen „wieder zurück gibt“. Dies kann z. B. geschehen durch……


Klaus Dannenberg
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