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Menschlichkeit rechnet sich

Menschlichkeit rechnet sich campus verlag

Rezension zu Menschlichkeit rechnet sich. Warum Wertschätzung über den Erfolg von Unternehmen entscheidet, Stephan Brockhoff, Klaus Panreck, campus-Verlag 2016

Wie hoch schätzen Sie, ist die emotionale Bindung Ihrer Mitarbeiter an Ihr Unternehmen fragen die Autoren eingangs und zitieren eine Studie aus dem Jahre 2015. Lediglich 16% der Belegschaft in Deutschland fühle sich demnach hoch emotional gebunden an ihr Unternehmen, 68% der Befragten empfinde sich hingegen als gering emotional gebunden und weitere 16% bestätige, keinerlei emotionale Bindung an ihren Arbeitgeber zu haben. Das sind ernüchternde Zahlen, wenn es um den künftigen (wirtschaftlichen) Erfolg von Unternehmen – beispielsweise vor dem Hintergrund knapper werdender Fachkräfte - geht. Menschlichkeit sei keine Manipulation und auch kein Luxus, sondern Notwendigkeit, argumentieren Brockhoff und Panreck und treten in ihrem Buch den Beweis an.

In ihrem flammenden Plädoyer für erkennbare, ja auch messbare Menschlichkeit im Job liefern sie betriebswirtschaftlich untermauerte Berechnungen, die zeigen, dass sich Menschenfreundlichkeit im Unternehmen tatsächlich rechnet. Doch welches Tool verbirgt sich hinter der Überzeugung? Wie könnte das konkrete Vorgehen sein, den Erfolgsfaktor Menschlichkeit stärker im Unternehmensalltag zu etablieren? Auf rund 250 Seiten, unterteilt in 11 Kapiteln und untermauert von fünf Best Practice-Beispielen zeigen sie auf, wie es gehen könnte.

Zentrale Aussage ist, „dass Menschlichkeit …. kein auswendig gelerntes Verhalten ist, sondern eine innere Haltung, die die Einstellung und den Umgang mit anderen prägt, fern jedweder intendierten Manipulation.“ (20). Mit der inneren Haltung von Wertschätzung und Respekt unterscheiden die beiden drei Ebenen: Menschlichkeit im Umgang mit sich selbst (Selbstbild und Rollenverständnis), im Umgang mit anderen (Personalführung) und auf der Ebene des unternehmerischen Handels (Unternehmensführung). Alle Ebenen werden intensiv beleuchtet.

Mein Anlass das Buch zu lesen ist ein Workshop, den ich in Kürze zu „Wertschätzung als Schubkraft für ein vortreffliches Betriebsklima“ durchführen werde. Von welchen konkreten Ideen und einfach umsetzbaren Empfehlungen, Vorgehensweisen berichten die Autoren? Was funktioniert, was überzeugt so, dass die Bindung an ein Unternehmen eben nicht mehrheitlich vor sich hindümpelt, sondern hohe Zufriedenheit und Wohlbefinden kennzeichnend sind? Hier erhoffte ich mir Antworten und Input.

Die Krux dieses Ratgebers jedoch: Begriffe wie Wertschätzung, Respekt, Anerkennung, Aufmerksamkeit, Akzeptanz, Authentizität, (Selbst-)Verantwortung, Vertrauen kommen unzählige Male vor, werden geradezu gebetsmühlenartig bemüht, Redundanzen tauchen auf und forderten mein Durchhaltevermögen heraus. Belohnt wurde ich schließlich mit der Toolbox „Freundliche Gesten, die Ihre Wertschätzung ausdrücken“ (42), dem „menschliche Organigramm“ (72), in dem ein neues Führungsverständnis sichtbar wird, einer Beispielrechnung zur Wertschöpfung einer menschlichen Unternehmensführung (158) sowie dem Input zu einem Fehlerworkshop (228).

Kritische Würdigung: 250 Seiten, gut verständlich und strukturiert geschrieben, viele Worte, breite Themenbearbeitung – ich hätte mehr Tiefe als Breite bevorzugt. Ich kann mir einen Vortrag mit anschließender Aussprache mit Herrn Brockhoff und Herrn Panreck gut vorstellen. Ihr leidenschaftliches Plädoyer wird sicherlich deutlich erkennbar sein. Wenn ich dann als interessierte Unternehmerin noch mehr zu Vorgehensweisen und dem Wie wissen möchte, könnte ich das in der Aussprache adressieren oder die beiden für ein Coaching buchen. So profitieren beide Seiten.

Beate Beckmann
Senior-Consultant und Trainerin
www.beate-beckmann.de 

 

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